Das Bernsteinlexikon

verändert aus dem PC-Quiz des Museums für Archäologie und Ökologie, Albersdorf
Register
Alava-Bernstein
Alter wichtiger Bernsteinarten
Arbeitskreis Bernstein
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Baltikum, Baltischer Bernstein
Bastard
Berlin, Museum für Naturkunde
Bernstein und Einschlüsse finden
Bernstein (selbst) verarbeiten
Bernstein-Fachausdrücke
Bernsteingebrauch Bronze- und Eisenzeit
Bernsteingebrauch Mittelalter/Neuzeit
Bernsteingebrauch der Steinzeitbauern
Bernsteingebrauch der Steinzeitjäger
Bernsteinkiefer
Bernsteinkolophonium und -lack
Bernstein-Kunstharz-Mischung
Bernsteinmuseum Ribnitz-Damgarten
Bernsteinregal
Bernsteinschleifereien
'Bernsteinwald' und Baltischer Bernstein
Bernsteinzimmer
Bienen
Bitterfelder Bernstein
Blaue Erde
Blitzer
Borneo-Bernstein
Brennbarkeit, Brennstein
Dichte
Dinosaurierblut in der Mücke
Dominikanischer Bernstein
Durchbohren des Bernsteins
Durchbohrung mit glühender Nadel
Eigenschaften des Bernsteins
Einschlüsse
Einschlüsse von Meereslebewesen
Eiszeiten
Elektrostatische Aufladung
Entstehung und Alter
Erhaltung eingeschlossener Lebewesen
Eozän
Fachausdrücke
Fachbücher
Fälschungen, Manipulationen, Märchen
Färben
Farben des Bernsteins
Fennoskandien
Feuerstein, Unterschied zu
Fliegen, Mücken
Flohmarkt-Bernstein
Flomen
Flotierung, hydraulisches Ausspülen
Fundorte
Fundstellen längs der Nordsee
Gebrauch von der Steinzeit bis heute
Geologisch-Paläontol. Museum Hamburg
Gewicht und Härte
Göttingen, Bernsteinsammlung Universität
Griechen, Berichte der alten
Härte und Gewicht
Häufigkeit von Einschlüssen
Hamburg, Geologisch-Paläontol. Museum
Heilkraft
Hobby-Vereinigungen
Inklusen
Insekten
Jurazeit
Käfer 
Kaffeedick
Klarkochen und Färben
Knochen
Köcherfliegen
Konservierung des Bernsteins
Kopal
Kreidezeit
Kriechtiere
Kunststoffe, Unterschied zu ihnen
Libanon-Bernstein
Litauen
Literatur
Marienbg./Malbork, Polen
Massenfänge und Lebenssituationen
Mexikanischer Bernstein
Milben
Museen in Dithmarschen
Museen, Sammlungen, Literatur
Museum am Löwentor, Stuttgart
Museum für Naturkunde Berlin
Nadelprobe
Namenserklärungen
Nordseebernstein, dänischer Bernstein
Oligozän
Palanga, Litauen
Pflanzeneinschlüsse
Pleistozän
Polieren des Bernsteins
Poliertrommel
Populäre Schriften
Preßbernstein
Ribnitz-Damgarten
Römer, Berichte der
Sägen des Bernsteins
Samland
Säugetiere
Schausammlungen in Dänemark
Schlauben
Schleifen des Bernsteins
Sizilianischer Bernstein
Spinnen und Spinnentiere
Sprockholz
Spülfelder
Stalaktiten
Sternhaare
Sonnenflinten
Stuttgart, Museum am Löwentor
Succinit
Tagebau
Termiten
Tertiär
Tier- und Pflanzeneinschlüsse
Trias
Tropfen
Urgeschichtlicher Bernsteinhandel
Verwitterung des Bernsteins
Vögel
Vorkommen, sonstige
Weihrauch
Wanzen
Wespen
Wetterlage, ideale
Wirbellose Tiere
Zapfen
Zigarren
Zikaden

Eigenschaften
  Der Name 'Bernstein' kommt von 'brennen' und bedeutet Brennstein. Der griechische Bernsteinname Elektron lebt in der Elektrizität fort. Die Römer nannten den Bernstein succinum ('Saft') in der richtigen Vermutung, er sei aus Baumsaft entstanden. Bei den Germanen hieß er nach Plinius glaes(um): Glas.
  Succinit ist der mineralogische Fachausdruck für Bernstein des baltischen Typs (nach lateinisch 'succinum'= Saft, Bernstein). Nach den Inhaltsstoffen und Eigenschaften unterscheidet man viele andere Bernsteine und fossile, bernsteinähnliche Harze vom Succinit.
  Als Bernsteinkiefern (Pinites succinifer) faßt man mehrere ähnliche Nadelhölzer des älteren Tertiärzeitalters zusammen, an denen vor ca. 40-50 Millionen Jahren das Harz ausblutete, aus dem der Baltische Bernstein entstanden ist. In harzgetränkten Holzteilen sind Jahresringe erkennbar, was auf eine jährliche Wachstumspause deutet. Näheres zum Bernsteinholz.
  Brennbarkeit: Bernstein kann (im Gegensatz zu Kunstharz) leicht mit einem Feuerzeug angezündet werden - deswegen sein Name, der Brennstein bedeutet. Die Flamme ist hell, rußt stark; der brennende Bernstein beginnt harzig zu riechen und verläuft an der Flamme zu einer schwarzen, spröde erhärtenden Masse. Brennender Bernstein diente zum Räuchern, sogar als Weihrauch-Ersatz.
  Bernstein lädt sich elektrostatisch auf, wenn er unter trockenen Bedingungen mit einem Tuch oder Wolle gerieben wird, er kann dann z. B. Papierschnitzel anziehen. Früher war so etwas bemerkenswert, weil es die vielen heutigen Kunststoffe mit ähnlichen Eigenschaften noch nicht gab. So bekam die Elektrizität ihren Namen vom Bernstein (griechisch Elektron).
  Farben: Bernstein ist meistens hell- bis goldgelb und altert zu rötlich- oder bräunlichgelb, im Extremfall zu Rottönen. Trüber Bernstein kann weißgelb oder weiß sein. Je nach Verschmutzung oder Schwefeleisenbildung in Spalten werden die Farben abgedunkelt. Bei manchen Bernsteinsorten, besonders dem Dominikanischen, gibt es gelegentlich einen blauen Schimmer durch Fluoreszenz.
  Gewicht und Härte: Bernstein ist nur wenig schwerer als Wasser (Dichte um 1,07), sinkt also in Leitungswasser, schwimmt aber in stark salzhaltigem Wasser. Die Härte liegt zwischen 2 und 3 (Mohs-Härte) und ist ähnlich wie harter Kunststoff.
  Verwitterung: Bernstein verwittert ständig, besonders durch Luftsauerstoff und Lichteinwirkung. Er dunkelt in den äußeren Schichten nach, und von den Oberflächen und vorhandenen offenen Hohlräumen aus beginnt eine ständig zunehmende Rißbildung, die im Endeffekt zu einer rauhen und bröckeligen Oberfläche führt, wobei Einschlüsse zerstört werden. Wertvolle Bernsteinstücke und besondere Einschlüsse sollten deshalb konserviert werden!
  Kopal nennt man noch nicht völlig zu Bernstein umgebildete Harze, die in den Deltas tropischer Flüsse zusammengeschwemmt werden, z. B. in Afrika. Sie sind höchstens einige Jahrzehntausende alt und enthalten durchaus auch Einschlüsse. Sie beginnen bei Wärme klebrig zu werden und lösen sich im Gegensatz zum Bernstein an, wenn man sie mit Watte und Äther betupft, so daß einzelne Wattehaare ankleben.

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Alter und Entstehung
  Das Alter der verschiedenen Bernsteinarten wird oft verschieden angegeben, da der Bernstein vor seiner endgültigen Einlagerung meistens vielfach umgelagert wurde. Es gelten folgende Richtwerte in Millionen Jahren: 20 Sizilianischer Bernstein, Borneo-Bernstein, 25 Dominikanischer Bernstein, 45 Baltischer Bernstein, wohl auch Bitterfeld, 70-95 Kanadische Bernsteinvorkommen, 85 Honshu-Bernstein, Japan, 125 Libanon-Bernstein, Golling-Bernstein aus Österreich.
  Aus dem älteren Abschnitt des Erdmittelalters (Trias und Jura, 220-140 Millionen Jahre) gibt es auf der Erde verteilt einige Fundstellen fossiler Harze, allerdings bisher ohne bedeutende Einschlüsse.
  Aus der Kreidezeit (70-140 Millionen Jahre) sind eine Reihe von Fundstellen fossiler Harze bekannt, die auch interessante Tier- und Pflanzen-Einschlüsse geliefert haben (z. B. Libanon, Nordostamerika, Japan, Alpen). Neu ist eine Fundstelle in Alava/Baskenland (Nordspanien) mit aufsehenserregenden Einschlüssen, z. B. einer Kleinwespe, einer Ameise und einer Feder.
  Die meisten Bernsteine und anderen fossilen Harze stammen aus dem Tertiärzeitalter (2 - 70 Millionen Jahre), so auch der Baltische Bernstein bzw. der Nordseebernstein (ca. 40-50 Millionen Jahre). - Das Tertiär ist das Zeitalter der Säugetier-Entwicklung.
  Mit Eozän bezeichnet man den zweiten (besonders warmen) von fünf Abschnitten des Tertiärzeitalters (55 - 35 Millionen Jahre). Während des Eozäns dürfte der meiste Baltische Bernstein unter subtropischen Bedingungen entstanden sein und wurde im folgenden Oligozän und später umgelagert.
  Mit Oligozän bezeichnet man den dritten von fünf Abschnitten des Tertiärzeitalters (35 - 26 Millionen Jahre). Im Oligozän drang das Meer in die fennoskandischen Bernsteinwaldgebiete ein, schwemmte den leichten Bernstein aus und lagerte viel von ihm in einer 'Blaue Erde' genannten Sandablagerung zusammen.
  Fennoskandien nennt man ein Landgebiet der älteren Tertiärzeit (Eozän), das im Bereich des heutigen bottnischen Meerbusens der Ostsee samt den angrenzenden Teilen Schwedens, Finnlands und des nördlichen Baltikums lag. Der Südteil Fennoskandiens wurde im nachfolgenden Oligozän vom Meer überflutet.
  "Bernsteinwald": Fennoskandien war in der Eozänzeit ein subtropisches Waldland, das vielfach Ähnlichkeiten zu Wäldern im heutigen nördlichen Florida oder im heutigen südlichen China hatte. Hier wuchsen auch einige Palmen. Nach Ausweis der Einschlüsse muß der Bernstein aber auch zum Teil in kühleren, zum Teil in offeneren, blumenreichen Gebieten (Bienen im Bernstein!) entstanden sein. Eine Annahme ist, daß das alttertiäre Fennoskandien von einem Flußsystem 'Eridanos' durchzogen war, das nördlich des heutigen Samlandes in einem Delta in das damalige Eozänmeer mündete. Dort sei dann viel mitgeschwemmtes Baumharz als Bernstein in flachem Meeressand ('Blaue Erde') abgelagert.
  Im Eiszeitalter (seit ca. 2 000 000 Jahren) kam es mindestens dreimal zu gewaltigen Inlandvereisungen über dem Ostseegebiet. Dadurch wurden die Ablagerungsschichten der Bernsteinwälder abgehobelt und die meisten Ansammlungen Baltischen Bernsteins nochmals umgelagert. So kam Bernstein bis nach Norddeutschland und Jütland, sogar bis Holland und Ostengland.

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Bernstein-Fachausdrücke
  Schlauben nennt man Bernsteinstücke, die mehrere Schichtgrenzen erkennen lassen. Sie entstanden, als Harz schubweise austrat und die vorherigen Harzablagerungen überdeckte. Schlauben sind vielfach voller Schmutz, aber seltener milchig und bergen die meisten Einschlüsse. Zur Schmuckverarbeitung sind sie weniger geeignet.
  Zapfen entstanden aus Harztropfen, die vor dem Herunterfallen am eigenen Tropfenfaden erstarrten. Erneute Harzflüsse können dann zu dickeren Harz-'Stalaktiten' führen. Die Kerne dieser Bernsteinzapfen können den Einschluß von Aststückchen vortäuschen. Zapfen enthalten oft Einschlüsse. Tropfen haben eine typisch abgeflacht rundliche Perlenform und allseits ihre natürliche Verwitterungsrinde.
  Knochen wird eine Bernsteinsorte genannt, die derart viele mikroskopisch kleine Bläschen enthält, daß sie rahmweiß aussieht. Er enthält keine erkennbaren Einschlüsse, kann aber zu Schmuck verarbeitet werden.
  Bastard wird eine häufige Bernsteinsorte genannt, die von zahllosen Bläschen derart getrübt ist, daß sie undurchsichtig und milchig wirkt. Die Farben des Bastards liegen meistens zwischen gelblichweiß und ockergelb. Bastard enthält selten Einschlüsse, die zudem schlecht erkennbar sind.
  Flomen (genannt nach dem schmalzartigen Flomenfett) wird eigentlich klarer Bernstein genannt, der von vielen mittelgroßen Bläschen deutlich getrübt ist. In Flomen kann man bei geeigneter Sichtmöglichkeit gelegentlich Einschlüsse finden.
  Sonnenflinten heißen natürliche Risse in klarem Bernstein, die interessante Spiegeleffekte bewirken können. Das meiste, was in heutigem Bernstein so aussieht, sind allerdings künstlich erzeugte 'Blitzer'.
  Blitzer nennt man künstliche Sonnenflinten (spiegelnde Rißflächen), die nach dem 'Klarkochen' des Bernsteins in Öl bei schnellem Abschrecken z. B. in kaltem Wasser entstehen. Einschlüsse werden durch das 'Blitzern' beschädigt oder zerstört.

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Verarbeitungstips
  Bernstein läßt sich leicht zersägen. Günstig dafür ist eine kleine Metallsäge. Man muß sich, besonders bei Schlauben, davor hüten, das Sägeblatt zu verkanten, der der spröde Bernstein leicht bricht. Vorsicht ist auch geboten, wenn der Sägeschnitt fast fertig ist.
  Bernstein läßt sich auf wasserfestem Schmirgelpapier naß schleifen. Zu empfehlen sind für grob, mittel und fein die Körnungen 180, 400 und 1000; gröberes Korn nur, wenn bei größeren Stücken viel wegzuarbeiten ist. Vor jedem Körnungswechsel sollte der Bernstein abgewaschen werden. Vor Einschlüssen sollte nach Möglichkeit eben (plan) geschliffen werden (Schleifpapier mit Teppichband auf Platte kleben!). Schnelle motorgetriebene Schleifscheiben können ohne Wasserzufuhr zu Hitzeschäden am Bernstein führen.
  Für die Schlußpolitur einer Bernsteinfläche sollte sie vorher gründlich mit 600-er oder besser 1000-er Schleifpapier am besten naß geschliffen werden, bis alle Kratzer weg sind. Man poliert auf einem Tuch oder weichen Leder mit Hilfe von Polierpaste (Gießharz-Hobbyzubehör, zur Not Zahnpasta) mit mäßigem Druck und beseitigt die häßlichen Pastenreste mit einer feinen weichen Zahnbürste und Seife. Poliertücher sollten nicht mit Schleifstaub in Berührung kommen!
  Die meisten kleineren Bernsteinstücke kommen heute zunächst in Poliertrommeln. Das sind hohle, mit Bernstein sowie mit Schleif- bzw. Poliermittel gefüllte Zylinder, die wochenlang langsam gedreht werden. Dadurch werden die Steine ringsum geschliffen und poliert, so daß sie zur Verarbeitung in billigen Ketten nur noch durchbohrt werden müssen. Einschlüsse lassen sich in Poliertrommel-Steinen verhältnismäßig leicht erkennen, da selten extra angeschliffen werden muß.
  Zum Durchbohren des Bernsteins benutzt man entweder eine Kleinbohrmaschine, eine Bohrmaschine mit beweglicher Welle oder einen Schwungrad-Handbohrer für Goldschmiede. Der Bohrer sollte vorne seine dickste Stelle haben, damit er nicht verkantet. Spiralbohrer müssen vorsichtig verwendet werden, da sie sich leicht verkanten und der Bernstein dann meistens zerbricht.
  In klarem Rüböl (in urgeschichtlicher Zeit soll man Spanferkel-Fett genommen haben) läßt sich trüber Bernstein vielfach klarkochen. Einschlüsse können dadurch erheblich leiden oder ganz zerstört werden - mitunter werden sie aber auch dann erst sichtbar! Künstliche Färbemittel dringen in den Stein ein, so daß er z. B. für Schmuckzwecke rot oder dunkel gefärbt werden kann.
  Aus dem häufigen minderwertigen Bernstein und aus Bernsteinabfällen von der Verarbeitung gewinnt man durch Schmelzprozesse das Bernsteinkolophonium und das Bernsteinöl, die Ausgangsprodukte zur Herstellung von hochwertigem Bernsteinlack sind. Er eignet sich z. B. für Restaurierungen oft besser als moderne Kunstharzlacke.
  Konservierung: Da Bernstein an der Luft langsam, aber ständig verwittert, macht seine Konservierung große Probleme. Bisher haben sich Lack- und Kunstharzüberzüge bewährt, bei Einschlüssen sogar das Eingießen in Kunstharzblöcke. Allerdings ist nicht bekannt, ob die Kunstharze Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte überdauern werden, ohne selbst zu altern.

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Bernsteinverarbeitung früher
  Bernsteinverarbeitung der Steinzeitjäger: Bereits Rentierjäger der ausgehenden Eiszeit (ca. 10000 v. Chr.) verarbeiteten Bernstein (Anhänger von Hamburg-Meiendorf und Ahrenshöft/Nordfriesland). In Dänemark und dem südlichen Ostseegebiet fand man bearbeitete und verzierte Bernsteine, auch Tieramulette, aus der Zeit der nacheiszeitlichen Jäger (8000 - 5500 v. Chr.).
  Bernsteinverarbeitung der Steinzeitbauern: In der Zeit der Steinzeitbauern (Neolithikum, 3500-1500 v. Chr.) wurde viel Bernstein gesammelt, auch geopfert oder versteckt (Bernstein-'Depotfunde' aus Jütland) und zu Ketten und Anhängern verarbeitet und so auch den Toten mit in die Gräber gegeben. Für die Erbauer der Großsteingräber sind kleine Streitaxt-Nachbildungen in Bernstein typisch.
  Bernsteinverarbeitung der Bronze- und Eisenzeit: Im Vergleich zur Bauernsteinzeit gibt es weniger Funde bearbeiteten Bernsteins aus der Bronzezeit, erwähnenswert ist u.a. ein Collier aus einem Urnengrab von Ingolstadt. In der Eisenzeit, als der Bernstein durch die Wertschätzung der Griechen und Römer an Bedeutung gewann, gibt es bis in die Wikingerzeit wieder mehr Bernsteinverarbeitung, z. B. Perlen für gemischte Ketten, Spinnwirtel, Spielbrettfiguren und Würfel aus Bernstein.
  Bernsteinhandelswege: Bereits seit der Steinzeit gelangte Baltischer Bernstein südwärts. Im griechischen Mykene fand sich Schmuck aus importiertem Bernstein. Bis in die Zeit um Christi Geburt kam vielleicht der meiste Bernstein von der Nordseeküste über den Niederrhein nach Massilia (Marseille) und Ligurien oder elbaufwärts weiter an die Adria. Der Samland-Bernstein ging über östlichere Handelswege, z. B. über Carnuntum an der Donau oder nach Griechenland über den Dnjepr und den Bosporus.
  Bernstein und die antike Welt: Die griechische Naturforscher Aristoteles berichtet bereits über den Bernstein, und Pytheas von Massilia soll um 334 v. Chr. die Bernsteininseln (west-, ost- und nordfriesische Inseln) aufgesucht haben. Die Römer Tacitus und Plinius schrieben auch über Bernstein, seine Herkunft und seinen Handel. Kaiser Nero (54-68 n. Chr.) soll große Mengen Bernstein für Repräsentationszwecke verwendet haben. Die Römer erschlossen den Handel mit samländischem Bernstein.
  Im Mittelalter und (für katholische Gebiete) auch danach wurde viel Bernstein zur Herstellung von Rosenkranz-Gebetsketten benutzt (Paternostermacher). In der Neuzeit verwendete man Bernstein wie vorher auch für Schmuck, aber auch für repräsentative Schatullen, Spielsteine und -bretter, Intarsien, Pfeifenmundstücke u. a. Heute werden aus geeignetem Bernstein fast nur Schmuck und Schmuckzubehör, aber auch Spielketten für Orientalen hergestellt.
  Bernsteinregal: Der Deutsche Orden sicherte sich im Mittelalter das Recht auf allen Bernstein Ost- und Westpreußens, weil damit eine Menge zu verdienen war, z. B. für Rosenkranzketten. Später ging dieses 'Bernsteinregal' auf den jeweiligen Landesherren über. Als ein Verstoß dagegen konnte das Sammeln und der Verkauf auf eigene Rechnung mit dem Tod bestraft werden. In abgemildeter Form galt das Regal bis 1945.
  Das 'Bernsteinzimmer' ist eine komplette Bernstein-Zimmervertäfelung, die der preußische König Friedrich der Erste für sein Charlottenburger Schloß bei Berlin fertigen ließ (1712 fertiggestellt) und bereits 1716 Zar Peter den Großen von Rußland schenkte. Es wurde später in ein Schloß bei St. Petersburg eingebaut, im letzten Krieg von den Deutschen geraubt und nach Königsberg gebracht, wo es 1945 wahrscheinlich verbrannte. Immer wieder gibt es (wohl unbegründete) Gerüchte, das Bernsteinzimmer sei noch immer in unterirdischen Stollen eingelagert.

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Bernstein-Fundorte und Auffindungsmöglichkeiten
  Bernstein wird vom Wasser gemeinsam mit anderen Materialien zusammengeschwemmt, die eine ähnliche Dichte haben: vollgesogene, dunkle Pflanzenteile und Ästchen, die im Wasser gerade nicht schwimmen (je nach Form Zigarren, Sprockholz oder Kaffeedick genannt). In solchen Anschwemmungen im Watt und an der Küste kann man durchaus fündig werden.
  In Spülfeldern oder bei Naßkiesausbaggerungen auf der Geest oder in der Marsch können einzelne Bernsteinstücke an manchen Stellen zusammengeschwemmt werden und liegen oft an der Oberfläche. Das Betreten solcher Spülfelder ist jedoch verboten und besonders für Unerfahrene lebensgefährlich!
  Mit Baltikum bezeichnet man die ostseenahen Länder südlich von Finnland und östlich bzw. nördlich von Danzig. In der Bernsteinkunde meint man damit ein größeres Herkunftsgebiet, zu dem auch Norddänemark rechnet ("westbaltischer" Bernstein). Der meiste (ost-)baltische Bernstein findet sich im ostpreußischen Samland westlich von Königsberg (heute ein Teil Rußlands) längs der Küste. Er wird auch im Tagebau gewonnen.
  Blaue Erde heißt eine tertiäre Meeresablagerung im Untergrund des Samlandes (Ostpreußen, heute zu Rußland), die besonders viel eingeschwemmten Bernstein enthält und z. B. bei Palmnicken im Tagebau zur Bernsteingewinnung abgebaut wird.
  Bei Bernstein-Tagebauen wie im Samland wird 'flotiert', d. h. mit großen Mengen von Wasser wird eine künstliche Schwemmsortierung erreicht, um den Bernstein anzureichern. Gerade in Polen wird der Bernstein aus tiefer liegenden Schichten mittels Spülbohrungen (oft illegal) hydraulisch hochgespült und dann von der Oberfläche abgesucht.
  Seit über einem Jahrhundert wird der Bernstein aus der 'Blauen Erde' bei Palmnicken/Samland, heute ein Teil Rußlands, im Tagebau gefördert, also in einer offenen Grube. Der einzige bundesdeutsche Bernsteintagebau bei Bitterfeld in Sachsen wurde 1993 eingestellt.
  Nordseebernstein ist (mindestens zum allergrößten Teil) Baltischer Bernstein, der teils durch voreiszeitliche Flüsse, großenteils erst durch die Folgen eiszeitlicher Vergletscherungen in den Bereich der heutigen Nordseeküste gelangte. Neben den Wattgebieten sind vor allem die Sandbänke bei St. Peter-Ording und die jütländische Westküste ergiebig. Norddänischer Bernstein dürfte von einstigen Bernsteinwäldern Südschwedens stammen, seine Herkunft wird auch als west-baltisch bezeichnet.
  Fundstellen an der Nordsee: Bernstein findet sich gelegentlich an Sandstränden und im Watt längs der Nordsee, aber auch im Innenland auf den gefährlichen Spülfeldern. Am häufigsten wird er vor St. Peter-Ording und an der jütländischen Westküste gefunden, aber auch vor Büsum und an den ost- und nordfriesischen Inseln, besonders dort, wo nach Stürmen Material zusammengespült wurde, das etwas schwerer als Wasser ist und nicht schwimmt ('Sprockholz'). An der schleswig-holsteinischen Küste findet man ihn am besten wenige Tage nach dem Abflauen einer Sturmwetterlage aus Nordwest bis Südwest.
  In Braunkohlegruben bei Bitterfeld in Sachsen gibt es unter der tertiären Braunkohle Bernstein, das einzige umfangreiche Vorkommen im heutigen Deutschland. Er enthält ähnlich viele Tiereinschlüsse wie der Baltische Bernstein ist nach Ansicht einiger Forscher (die vor allem mit dem gleichartigen Fossilbestand argumentieren) offenbar gleichalt, nach Ansicht anderer (die annehmen, daß er sehr kurz nach seiner Entstehung einglagert wurde) erheblich jünger als der Baltische Bernstein. Die Förderung ist seit 1992 eingestellt. Trotz Verboten und allmählicher Flutung wird in der Grube Goitzsche immer noch viel gesucht und gefunden.
  Dominikanischer Bernstein: Erst in den letzten Jahren ist Bernstein in der Dominikanischen Republik (Karibik, Mittelamerika) gefunden und gefördert worden, der besonders viele und oft auch große Einschlüsse enthält, die aus einer späteren Epoche der Tertiärzeit stammen wie der Baltische Bernstein. Er entstand aus dem Harz baumförmiger Schmetterlingsblütler.
  Borneo-Bernstein (Insel in Südostasien) ist erst seit wenigen Jahren bekannt und kommt beim Kohleabbau in teilweise sehr großen Stücken zu Tage. Er ist sehr dunkel gefärbt, nur halb so alt wie der Baltische Bernstein und enthält gelegentlich Insekteneinschlüsse.
  Sizilianischer Bernstein, auch Simetit genannt, war schon im Altertum bekannt und für seine rötliche Farbe berühmt. Er stammt aus dem jüngeren Tertiär, ist nicht sehr häufig und enthält nur selten Einschlüsse.
  Libanon-Bernstein, auch in angrenzenden Teilen Jordaniens und Israels zu finden, zählt zu den ältesten Bernsteinarten mit Einschlüssen (Unterkreidezeit, ca. 130 Millionen Jahre). Seine Insekteneinschlüsse informieren über deren frühe Entwicklungsgeschichte. Auch die Feder eines Vogels hat sich erhalten.
  Übrige Fundstellen: Wichtige Bernsteinvorkommen sind z. B. aus Japan und aus Kanada bekannt, die sowohl der jüngeren Kreidezeit wie auch der älteren Tertiärzeit angehören. Besonders von Cedar Lake in Kanada liegen viele Insekteneinschlüsse der Unterkreidezeit vor. Ebenfalls aus der Kreidezeit stammen neuere Bernsteinfunde, z. T. mit Insekteneinschlüssen, aus dem Salzkammergut in Österreich und vor allem aus der Region Alava im Baskenland (Nordspanien).
  Was polnische und russische Händler auf Flohmärkten anbieten, wird in der Regel Baltischer Bernstein aus Ostpreußen und dem Weichselmündungsgebiet sein, der teilweise illegal beschafft sein kann. Die Preise können noch sehr niedrig sein, allerdings muß man bei vollständig bearbeiteten Schmuckstücken (z. B. Armbänder) auf Bernsteinnachbildungen oder in Kunstharz eingegossenen Bernstein achten. Mitunter haben wenig bearbeitete Ketten und Rohstücke viele kleinere Einschlüsse.

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Bernstein-Einschlüsse
  Inkluse ist das Fachwort für einen tierischen oder pflanzlichen Einschluß in Bernstein. Die häufigen Holzmulmreste und Sternhaare in Bernstein sind damit normalerweise nicht gemeint. Inklusen sind in Schlauben und Zapfen besonders oft zu finden.
  Erhaltung der Einschlüsse: Von den im Bernstein eingeschlossenen Tieren und Tierteilen sind die Oberflächen von Hohlräumen zu sehen, die meistens mit Flüssigkeit oder Luft gefüllt sind, aber noch organische Reste (Chitin, Muskelfasern u. ä.) enthalten können. Alle größeren Tiere, die nicht ganz von Harz bedeckt wurden, hatten kaum eine Erhaltungschance. Je größer der Einschluss, desto eher stören spiegelnde Risse und weißliche Feuchtigkeits-Ausscheidungen seine Erkennbarkeit.
  Sternhaare sind die häufigsten Einschlüsse in Baltischem und Bitterfelder Bernstein. Es soll sich bei den mit dem bloßen Auge nicht erkennbaren kleinen Haarbüscheln meistens um abgefallene Schutzbehaarung immergrüner Eichen handeln, die in den 'Bernsteinwäldern' wuchsen. Nur ein Teil des Bernsteins enthält derartige Haare; sie sind ein untrügliches Echtheitszeichen. Pflanzliche Reste wie Blätter, Blüten und Samenkörner sind vergleichsweise selten im Bernstein eingeschlossen, häufiger ist der mikroskopische Blütenstaub.
  Massenfänge nennt man Ansammlungen von besonders vielen Einschlüssen in einem Bernsteinstück. Sie geben wertvolle Aufschlüsse darüber, welche Kleinlebewesen unter gleichen Bedingungen am gleichen Ort vorkamen, was wichtig ist, da z. B. Baltischer Bernstein in recht verschiedenen Biotopen entstanden ist.
  Zweiflügler (Dipteren), nämlich Mücken und Fliegen, sind im Baltischen Bernstein mit Abstand am häufigsten, soweit es sich um 'Kleinausgaben' handelt. Nur die wenigsten erhaltenen Bernsteinmücken sind Stechmücken - gleichzeitig ein indirekter Hinweis auf warmblütige Tiere wie Vögel und Säugetiere im Bernsteinwald.
  Aus der Insektenklasse der Hautflügler kommen Ameisenarbeiter und kleinste Wespen am häufigsten in Baltischem Bernstein vor. Die Brack- und Erzwespen, die ihre Eier meistens in andere Insekten, z. B. Blattläuse, oder sogar deren Eier ablegen, haben oft nur eine Körperlänge von unter 1 mm. Es wurde aber auch hochentwickelte Honigbienen gefunden, deren Existenz auf lichtere, blumenreiche Partien der damaligen Bernsteinwaldgebiete hinweist.
  Spinnen und Milben gehören zu den häufigeren Einschlüssen im Bernstein. Die Spinnen dürften vielfach durch die Bewegung der am Harz klebengebliebenen Tierchen angelockt worden sein. Man findet auch Spinnenfäden und sogar darin eingewickelte Insekten. Milben gehören nach den Zweiflüglern zu den häufigsten Bernsteineinschlüssen, werden aber wegen ihrer Kleinheit oft übersehen. Unter ihnen sind auch bei Vögeln schmarotzende Federlinge nachgewiesen.
  Übrige Tiereinschlüsse: Häufig sind die winzigen Springschwänze (Urinsekten) und auch kleine Blattläuse, können aber leicht übersehen werden. Mitunter findet man Köcherfliegen, deren Larven auf Wasser angewiesen sind. Auch kleinere Vertreter der artenreichen Käfer finden sich nicht selten, ebenso Larvenstadien von Heuschrecken und Zikaden. - Weniger häufig sind Schaben und Wanzen. Zu den Seltenheiten zählen Funde von Termiten, Libellen, Eintagsfliegen, Schmetterlingen, Pseudoskorpionen und Gottesanbeterinnen. Aufsehenserregend sind die wenigen Funde von Flöhen.
  Als Besonderheit erhielt sich einige wenige Vogelfedern im Baltischen Bernstein. Von Säugetieren findet man selten einmal abgerissene Haare des Pelzes und daran ggf. noch Hautfetzen und sogar Läuse-Eier. Soweit bestimmbar, sollen die Haare von Klein-Nagetieren ähnlich z. B. dem Siebenschläfer stammen. Ein angebliches Säugergebiß gehört eher zu den Legenden. Ganz selten erhielten sich Eidechsen-Einschlüsse - hier wird viel gefälscht.
  Häufigkeit der Einschlüsse: Besonders in Schlaubensteinen aus Baltischem Bernstein sind Einschlüsse so häufig, daß man mindestens in jedem zwanzigsten fündig werden kann, wenn die Steine nicht vorher durchgesehen wurden. In billigen Flohmarktketten aus überwiegend klaren Bernsteinen aus der Poliertrommel kann man oft mehrere Tiereinschlüsse finden. Große Einschlüsse sind immer selten und meistens schon rechtzeitig entdeckt.
  Die Bestimmung von Bernstein-Einschlüssen ist z. T. dermaßen schwierig, daß sie auf jeden Fall Fachleuten überlassen werden sollte. Im allgemeinen haben sich die Gliedertiere seit dem Tertiär entwicklungsgeschichtlich nicht allzusehr verändert, so daß man mit Hilfe guter Bestimmungsliteratur vielfach die Ordnungen, manchmal sogar die Familien zuordnen kann.

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Fälschungen, Manipulationen, Verwechselungen, Legenden
  Fälschungen von Bernsteineinschlüssen sind schon aus Sammlungsbeständen des 18. Jahrhunderts bekannt - gerne versuchte man, in Bernstein spektakuläre Tier wie Frösche oder Eidechsen einzuschließen. Die üblichen kleinen Mücken und Fliegen zu fälschen, lohnt den Aufwand meistens nicht. Beim Erwerb auffälliger Inklusen sollte man bei hohem Preis und ungewisser Herkunft vorsichtig sein.
  Die Mücke mit dem aufgesogenem Dinosaurierblut, aus dessen DNS man mit Hilfe von Gentechnik einen lebenden Dinosaurier zurückgewinnen kann - ein Märchen! Nur wenige Bernsteinsorten reichen in die Zeit der Dinosaurier zurück, die spätestens vor 65 Millionen Jahren ausgestorben waren. Wenn man aus dem Blut einer heutigen Stechmücke erstmals einen Menschen machen kann, sollte man weitersehen!
  Verwechselung mit Feuerstein: Bernstein wird von Laien oft mit durchscheinendem gelbem Feuerstein verwechselt, der an seiner Oberfläche oft auch glänzt. Bernstein ist sehr leicht und fühlt sich warm an, Feuerstein (Flint) dagegen härter wie Glas und fühlt sich zunächst kalt an.
  Verwechselung mit Kunststoffen: Manche Bernsteinsorten unterscheiden sich knapp von entsprechend gefärbten Kunststoffen. Manchmal hilft es, ein Stück anzuschleifen (Bernstein riecht dann harzig, Kunstharz nicht) oder eine Brennprobe zu machen, ggf. mit einer glühenden Nadel: auch dann zeigt sich der charakteristische Geruchsunterschied. Am besten 'übt' man vorher an minderwertigen Bernsteinstücken! - In konzentrierter Kochsalzlösung schwimmt Bernstein, während Kunstharze in der Regel absinken.
  Preßbernstein wird unter hohem Druck und höherer Temperatur aus kleineren, nicht zu minderwertigen Bernsteinstücken zu größeren Platten gepreßt, die dann zu größeren Schmuckstücken verarbeitet werden können. Preßbernstein ist nie klar, sondern milchig und frei von größeren Blasen. Handelsmäßig darf er als 'echt Bernstein' bezeichnet werden im Gegensatz zum unveränderten 'Naturbernstein'.
  Häufig werden Mischungen aus Bernstein und Kunstharz z. B. auf Flohmärkten als Bernstein angeboten. Sie sind durch die deutlich abgesetzten eingegossenen Bernsteinstücke leicht zu erkennen. Mitunter enthalten sogar die eingegossenen Bernsteine noch Einschlüsse!
  Mit Hilfe einer glühenden Nadel können oft letzte Zweifel beseitigt werden, ob es sich um Bernstein oder ein Imitat handelt. Sie schmelzt und verdampft einen Teil der Oberfläche des zu prüfenden Stückes. Der Kunstharzgeruch ist anders als der harzige Bernsteingeruch. Am besten an einem minderwertigen Bernstein üben!
  Immer wieder hört man die Legende, man habe erst seit der Bronzezeit Bernstein fein durchlochen können, da man eine glühende Metallnadel zur Durchbohrung brauche. Das geht nur bei sehr dünnen Scheiben und verlangt schnelle und gekonnte Arbeit. In der Steinzeit hat man Bernstein mit Feuersteinbohrern erfolgreich durchlocht!
  Entgegen früheren Behauptungen gibt es keine Einschlüsse von Meereslebewesen im Bernstein. Natürlich kann man auf Seebernstein oft Spuren heutiger Meereslebewesen finden, die sich auf seiner Oberfläche angesiedelt haben. Bei den eingeschlossenen Lebewesen handelt es sich ausschließlich um Landbewohner der tertiären Bernsteinwaldgebiete. Auch der jüngst publizierte Säugetierkiefer mit Zähnen ist ein Phantasieprodukt.
  Besonders in früheren Zeiten hat man dem Bernstein und dem bei seiner Verbrennung entstehenden Rauch Heilkraft zugesprochen. Der Stein, sein zu einer Salbe verarbeites Pulver und das aus Bernstein destillierte Öl galten als Allheilmittel besonders bei Rheuma. Herzog Albrecht schickte Martin Luther gegen dessen 'bösen' Gallenstein einen 'guten' Bernstein. Gesundheitsschädlich ist er jedenfalls nicht!

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Museen, Sammlungen und Sammler, Schleifereien, Literatur
  Das Deutsche Bernsteinmuseum in Ribnitz-Damgarten (zwischen Rostock und Stralsund) ist das einzige größere Museum Deutschlands, das nur dem Bernstein gewidmet ist. Die umfangreiche und unbedingt sehenswerte Ausstellung zeigt auch einige hervorragende Einschlüsse in Bernstein.
  Das Museum am Löwentor in Stuttgart, eine Zweigstelle des Naturkundemuseums, hat ein Bernsteinkabinett mit Bernsteinen aus aller Welt. Ein besonderer Schwerpunkt des Museums ist der Dominikanische Bernstein mit seinen sehenswerten Tier- und Pflanzeneinschlüssen.
  Sammlungen in Polen und Litauen: In der nach dem Krieg wiederaufgebauten Marienburg (Malbork) südöstlich von Danzig, heute Polen, ist eine bedeutende Bernsteinausstellung eingerichtet. Auch das Museum der Erde in Warschau hat eine Bernsteinabteilung in der Schausammlung. In Palanga (Südlitauen) ist eines der bedeutendsten Bernsteinmuseen untergebracht.
  Das Museum für Naturkunde Berlin besitzt eine der umfangreichsten deutschen Inklusensammlungen vor allem aus baltischem Bernstein. Die Sammlung ist allerdings nicht öffentlich ausgestellt und nur für Wissenschaftler oder bei begründetem Interesse nach Rücksprache einsehbar. Die Universität Göttingen besitzt bedeutende Teile der früheren Königsberger Sammlung.
  Das Geologisch-Paläontologisches Museum und Institut der Universität Hamburg verfügt über eine umfangreiche Inklusensammlung baltischen Bernsteins, die allerdings als Lehrsammlung des Instituts nur bei begründetem Interesse einsehbar ist. Einige Stücke sind in der Ausstellung zu sehen. Am Geomatikum ist auch der Arbeitskreis Bernstein ansässig.
  Das Museum für Archäologie und Ökologie Dithmarschen in Albersdorf (Dithmarschen, Schleswig-Holstein) hat eine kleine, aber gut aufbereitete Sammlung von Bernsteineinschlüssen. Eine kleine Bernsteinsammlung hat auch das Waldmuseum in Burg/Dithmarschen.
  In Bad Füssing / Oberbayern gibt es ein eher kulturgeschichtlich / handwerklich ausgerichtetes Bernsteinmuseum.
  Sammlungen in Dänemark: Das Geologische Museum in Kopenhagen hat eine größere Inklusensammlung vornehmlich westbaltischen, dänischen Bernsteins - gezeigt wird Bernstein im Kopenhagener Bernsteinmuseum In der urgeschichtlichen Abteilung des Nationalmuseums in Kopenhagen und in den größeren archäologischen Museen findet man viele vorgeschichtliche Bernsteinfunde. Neu ist ein Bernsteinmuseum mit großer und moderner Ausstellung in Oksbøl bei Esbjerg. Bernstein-Privatmuseen mit Schleifereien finden sich bei der Widau-Schleuse bei Hoyer (Højer) unweit Tondern, in Sønderlev bei Hjørring und in Skagen. Für Süddänemark-Urlauber ist ein Besuch in einer Verkaufsausstellung in Lakolk auf Rømø (Pedersen) empfehlenswert. In Skanör (Schonen/Südschweden) gibt es ein privates Bernsteinmuseum.
  Einführungsliteratur: Erhältlich sind: Bismarck, R. v., Bernstein - Gold des Nordens, Neumünster (Wachholtz) 1987 (Wanderndes Museum Kiel Heft 3); Reinicke, R., Bernstein, Gold des Meeres. Rostock (Hinstorff) 1989; Schlee, D., Bernsteinneuigkeiten, 1984; Schlee, D., Der Bernsteinwald, 1986; Schlee, D., Das Bernsteinkabinett, 1990. Die empfehlenswerten Hefte von D. Schlee sind über die Gesellschaft zur Förderung des Naturkundemuseums in Stuttgart zu beziehen. Manfred Kutscher, Bernstein, Putbus/Rügen 1999, 64 Seiten, über 150 Inklusenfotos, gute Einführungs- und Beschreibungstexte. Bezüglich fur 3.-DM (!!) + Versandkosten beim Verein der Freunde und Förderer des Nationalparkes Jasmund e. V. , Postfach 34, D-18540 Sassnitz. Umfassend und populär ist (trotz mancher Mängel bei den Abbildungen und den Einschluß-Bestimmungen - Korrekturbeilage unbedingt beachten!): Krummbiegel, Günter und Brigitte: Bernstein, Fossile Harze aus aller Welt. Weinstadt (Goldschneck-Verlag, Fossilien-Sonderband 7) 1994.
  Als Ausstellungskatalog des Deutschen Bergbaumuseums erschien: Bernstein - Tränen der Götter, Essen (Glückauf) 1996/7, 585 Seiten, 138.-DM. Als "Nachtrag" zum Ausstellungskatalog ist beim Deutschen Bergbaumuseum das Sonderheft Metalla 66, 1997, ausschließlich mit Bernsteinthemen herausgekommen. Beide Werke enthalten umfangreiche Literatur. - Als ergänzter Nachdruck erschien 1996 im J. Wunderlich Verlag, 75334 Straubenhardt, das Werk von A. Bachofen-Echt, Der Bernstein und seine Einschlüsse, Wien 1949. W. Weitschat und W. Wichard, Atlas der Pflanzen und Tiere im Baltischen Bernstein, München (Pfeil Verlag) 1998, 128.-DM - das langersehnte Kompendium! - Wer keine Probleme mit Englisch hat (z. B. mit Tiernamen), dem sei das hervorragende und preisgünstige Büchlein von Andrew Ross, Amber, the natural time capsule, London (The Natural History Museum) 1998 empfohlen, besonders die hervorragenden Bestimmungshilfen für Bernstein-Einschlüsse. Andere Werke in Englisch: Grimaldi, David A., Amber - Window to the Past, New York (Harry N. Abrahams) 1998, 216 Seiten. Poinar, George O., Life in Amber, Palo Alto (Stanford University press) 1992. Die Lebewelt im dominikanischen Bernstein behandelt: Poinar, George O. und Roberta, The Amber Forest, A Reconstruction of a Vanished World\, Princeton University Press 1999, 239 Seiten. – Im übrigen ist man auf zerstreute Spezialliteratur angewiesen.
  Ein Arbeitskreis von Inklusen-Sammlern und Bernsteinforschern hat sich in Hamburg gebildet, derzeit geleitet von Dr. Weitschat vom Geologisch-Paläontologischen Institut der Universität Hamburg. Es geht um Bernstein-Lagerstättenkunde und die Erforschung und Bestimmung von Einschlüssen. Die Gruppe ist in den Förderverein des Instituts und Museums eingebunden, trifft sich einmal bis mehrfach im Jahr und erhebt einen Jahresbeitrag von 75.-DM. Die Mitgliedschaft ist für ernsthafte Bernstein-Interessenten empfehlenswert!
  Schleswig-Holsteinische Bernsteinschleifereien findet man z. B. in St. Peter-Ording (Boy Jöns), Schobüll nördl. Husum (Stegemann) sowie Friedrichstadt (H. Rauh). In St. Peter-Ording und Rurup/Angeln sind ihnen Schausammlungen mit altem Schmuck und Einschlüssen angeschlossen. Stegemann/Schobüll bietet viele Inklusen an.


Bildauswahl Lebewelt in Bernstein 1 und 2 - Pollen, Sporen, Mikrofossilien in Bernstein - Internetverweise zu Bernstein
Ungelöste Bernsteinrätsel - Bernsteinquiz - Bilder aus dem "Atlas" - Museum Albersdorf